Der Visual Desk im Newsroom der Deutschen Presse-Agentur GmbH 2019

Definitionen

Das Wissen um eine gesellschaftliche Tätigkeit misst sich auch an deren Sichtbarkeit. Was die Bildressorts bzw. die Arbeit von Bildredakteur*innen angeht, so ist die geringe Sichtbarkeit ihrer Arbeit spiegelbildlich auch in der geringen Präsenz von Texten oder Definitionen über ihre Arbeit in Handbücher zu Fotografie und Journalismus. Dort wo diese doch existieren, sind diese hier dargestellt.

“Der Beruf der Bildredakteurin / des Bildredakteurs ist in den letzten Jahren immer komplexer geworden. Gute Bildredakteur*innen verfügen über eine Vielzahl an Kompetenzen. Auch als Fotograf*in lernt man, was ein gutes Bild ist und wie man eine Geschichte erzählt. Als Bildredakteur*in muss man darüber hinaus sehr strukturiert sein und über ein gutes visuelles Gedächtnis verfügen, um mit einer effizienten, professionellen Bildersuche und gekonntem Auswählen und Zusammenstellen der besten Bilder die fotografische Qualität zu garantieren, ob für Print oder Online, ein Buch oder eine Ausstellung. Bildredakteur*innen sollten Fotograf*innen, egal wo auf der Welt, ausfindig machen und beauftragen können und sich außerdem fotorechtlich auskennen, und gerade im Journalismus ethische Richtlinien kennen, um Glaubwürdigkeit und Authentizitätsansprüche zu garantieren. Schließlich sollten Bildredakteur*innen Content Management Systeme beherrschen und über Social Media und multimediale Kompetenzen verfügen. Gute Bildredakteur*innen sind Experten für Bilder, aber eben auch Redakteur*innen, die inhaltlich und konzeptionell denken.” (Nadja Masri im Interview mit der Zeitschrift dieMotive, Nr. 1, 2019)

“In Pressebildagenturen, bei Zeitungen und Zeitschriften und auch in Fernsehanstalten gibt es sodann die große Gruppe der Bildredakteure. In Kontakt mit den schreibenden Journalisten oder auch völlig selbständig nach ihren eigenen Vorstellungen geben diese Aufträge bzw. Aufgaben an die oben beschriebenen Pressefotografen bzw. Fotoreporter, beurteilen ihre Leistungen, erkennen relevante Fotos, betexten sie, und geben sie entweder dem entsprechenden Ressortchef der jeweiligen Zeitung, Zeitschrift oder Anstalt weiter, oder aber stellen das Bildmaterial im Rahmen des Pressebilderdienstes zur Auslieferung an nationale oder internationale Verkaufsorganisationen zur Verfügung. Je nach Bildung, Berufsauffassung und Charakter werden die Bildredakteure ihre Aufträge an die Pressefotografen bzw. Fotoreporter sehr detailliert geben, oder ihnen die Gestaltung der Arbeit selbst überlassen.” (Martin/ Werner 1981: S. 3)

“Bildredakteur: Ziel ist die Herausgabe des tagesaktuellen Bilderdienstes für die Tageszeitungen, die Fernsehanstalten und zunehmend auch für die Online-Redak­tionen. Der Bildredakteur plant anhand feststehender Termine und in engem Kon­takt mit den Fotografen wie den Partneragenturen die tagesaktuelle Bildberichterstattung und organisiert die Bebilderung von unvorhergesehenen Ereignissen, wie z.B. Katastrophen oder Todesfälle. Mit dem Ziel einer „runden” Berichterstattung der Agentur stimmt sich der Bildredakteur mit den Kollegen der Abteilungen Wort, Grafik und Video ab. Das eingehende Fotomaterial wird hinsichtlich Quantität und Qualität gesichtet und die den Fotos angefügten Informationen werden auf Vollständigkeit und Korrektheit überprüft. Der Bildredakteur hält auch Kontakt zu den Kunden und unterstützt deren Planung durch Informationen über die Liefertermine bestimmter Themen. Profunde Kenntnisse der aktuellen Nachrichtenlage und die Fähigkeit, Ereignisse hinsichtlich ihrer historischen Dimension einordnen zu kön­nen, zählen zu den Schlüsselqualifikationen des Bildredakteurs. Angesichts der Fülle des eingehenden Materials ist der Blick für „das” Bild, die visuelle Kompetenz, eine der wichtigsten von einem Bildredakteur geforderten Fähigkeiten.” (Funk 2011: S. 62)

“Auch der Bildredakteur (Bildleiter) und der Bildjournalist (Bildberichter) müssen zum allgemein-politischen Urteil fähig sein. Fachlich haben sie in harter Eigenarbeit oder, besser, aus einer gründlichen photographischen Ausbildung (in Berufs- oder Fachschulen) die Fähigkeit zu entwickeln, Bilder nicht nur in ihrer aktuellen Bedeutung richtig zu sehen, sondern sie auch in Aufnahme und Bildausschnitt gleich bildhaft und im wesentlichen zu fassen und sie schließlich nach der Möglichkeit graphischer Wirkung richtig auszuwählen und zu beschriften. Neben die bildtechnische Fähigkeit tritt die publizistische Fähigkeit, Geschmack, Takt und politische Aufgabe zu vereinen (vgl. II, S. 117).” (Dovifat 1976, S. 53)

“Der Bildredakteur braucht für seine Tätigkeit ein besonders geschultes, gutes Gedächtnis, nicht nur für Sachwissen, sondern vor allem für Personen, Tatsachen und Situationen. Er muss ein Bildarchiv aufbauen und selbst im Kopfe haben, denn er hat Fälschungen, Irrtümer usw. in angebotenen Bildern zu erkennen oder aus der Vielzahl der ihm gegenwärtigen Bildstoffe auch schnell, glücklich und wirksam geeignete Verbindungen, Bildvereinigungen zu finden und vorzuschlagen.” (Dovifat 1976b, S. 132)

“Der Bildredakteur ist hauptsächlich für die Platzierung und Betextung von Bildern in einer Zeitung oder Zeitschrift zuständig. Er sichtet das eingehende Bildmaterial und den Auftrag für Foto-Essays oder die Illustration von Wortbeiträgen”. (Blecher 2001: 58)

“Die Tätigkeit des Bildredakteurs ist ebenfalls eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, etablierte sich aber erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts als festes Berufsbild. Die wichtigste Aufgabe von Bildredakteurinnen und Bildredakteuren war und ist die Auswahl von Bildern für eine Publikation; sie sind also für die Gestaltung visueller Öffentlichkeit ebenso wichtig, wie die Fotografen, von denen sie mit Bildern beliefert werden”. (Vowinckel 2017: 22)

“Bildredakteure und -redakteurinnen beschaffen Foto- und Illustrationsmaterial vor allem für Printmedien wie Zeitungen, Illustrierte, Reise-, Mode- oder wissenschaftliche Zeitschriften, aber auch für digitale Medien, das Internet sowie für Film und Fernsehen.” (Berufenet Arbeitsagentur)

“Der “Beruf” Bildredakteur führt bei bundesdeutschen Zeitungen ein eher stiefmütterliches Dasein. Mal versteht sich ein Bildjournalist als Bildredakteur, meistens übernimmt ein schreibender Redakteur die weitere Bearbeitung der Fotos”. (Macias 1990: 55)

“Der Bildredakteur hat dieselben journalistischen Aufgaben wie der Redakteur des geschriebenen Wortes. In kleineren Zeitungsbereichen nimmt deshalb auch einer der Redakteure die Arbeiten des Bildredakteurs gleichzeitig wahr”. (Mösslang 1969: 95)

“Bildredakteur ist eine Berufsbezeichnung aus dem Medienbereich. Der Bildredakteur beschafft das Foto- oder auch Illustrationsmaterial für Printmedien, Internet, TV und Film. Dazu werden Fotografen oder Bildagenturen angefragt oder Aufträge an Fotografen vergeben. Der Bildredakteur steht in enger Verbindung mit dem Bildarchiv eines Mediums, so ein solches vorhanden ist.” (Wikipedia Deutsch)

“A Picture Editor, also known as a Photo Editor, is a professional who collects, reviews, and chooses photographs and/or photoillustrations for publication in alignment with preset guidelines”. (Wikipedia English)

“Picture editors usually are in charge of the visual aspects of news reporting. They assign photographers to cover events, review the images shot, decide which images are be published, and set policy for handling and archiving original images” (Newton 2001: 76)

“Photoeditors are the “visual thinkers” for news in print or online formats. They assess and choose images for publication, assign stories for photographers to cover, administer the photographic department, and make ethical and legal decisions about the visual representation of reality. Their daily routines have changed dramatically with the introduction of digital photography and online news presentation, yet the basic principles that guide their work in the aesthetic, informative, and ethical use of photography remain relatively constant”. (Bock 2008: 1053)

“The photo-editor’s job, typically, is to collate news with the photographs he selects from among the many photographs submitted that illustrate the same event”. (Rosenblum 1978: 46)

Unter den Namen der Autor*innen findet sich in der Literaturliste auf dieser Webseite die komplette Literaturangabe.

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